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Rudi 🇺🇦 went cycling
March 28, 2026
06:37
88.8km
13.4km/h
65.2km/h
1,940m
1,930m
Die Vorhersage für heute ist ganz gut; es soll zwar nicht brilliant werden, aber am Ventoux sind Mittags Plusgrade angekündigt. Und der Wind soll erst im Lauf des Tages zunehmen.
Erst mal muss ich aber auf die gute Margriet warten, die mir meine Kopfhörer nach Bédoin bringt.
Sie schrieb, dass sie mir eine Nachricht schickt, sobald sie in "Pista" ist. Ich nehme an, dass das eine Ortschaft kurz vor Bédoin ist, und setze mich ins Café zum Frühstücken. Ich bin schon in voller Montur und gepackt für den Ventoux. Im Café sitzen viele Randonneure, außerdem ist im Ort Trubel, da heute Trail Run Meisterschaften zum Ventoux stattfinden.
Wie geplant kommt die Nachricht: "I am at Pista." Nun schaue ich auf Maps nach, wie weit diese Ortschaft ist, finde aber keine. Lediglich ein Café in Bédoin wird mir angezeigt, aber das verwerfe ich als Möglichkeit... Nach einigem Hin und Her stellt sich aber heraus, dass es sich genau um dieses [Pista] handelt... Eine Viertelstunde habe ich Margriet warten lassen; zum Glück nimmt sie es mit Humor.
Wir frühstücken dort Kaffee und Kuchen, und ich kaufe mir eine neue Kappe -- meine alte aus Freiburg von 2023 ist inzwischen unansehnlich und zu eng, vermutlich eingegangen. Das Café wird von einem paar Fahrradenthusiasten geführt und hat sehr schöne, sonnige Sitzplätze draußen.
Nach einiger Zeit kommen Christoph und Stephan, von denen ich mich eigentlich schon verabschiedet hatte, und setzen sich dazu. So vergeht der Vormittag angenehm, und ich beschließe, nochmal in die Ferienwohnung zu fahren und vorsichtshalber doch die Powerbank mitzunehmen, damit ich nicht in Schwierigkeiten komme. Außerdem werfe ich etwas Ballast in Form von dicken Handschuhen und Mützen ab, denn es ist schon sehr warm. Stephan überredet mich, mit ihnen aufzubrechen, denn er und Christoph wollen zwar nach Avignon wechseln, aber über Sault, und das liegt auf der Route. Es dauere nur eine halbe Stunde, dann hätten sie gepackt... Christine und Thomas wollen auch zum Ventoux und schließen sich an.
Kurz nach 12 brechen wir dann tatsächlich auf... Ich habe eine Route von Ulrich bekommen, die die Gorges de la Nesque und den Ventoux zu einer Rundtour vereint. Die Anfahrt zum Startpunkt geht über eine steile Betonrampe, man wundert sich über die Streckenführung, denn das ginge direkter. Stephan, der vorausfährt, stößt einen Wutschrei aus: Die Betonpiste geht jetzt in eine Gravelroute über. Nichts, was wir mit unseren Rennrädern fahren wollen.
Wir drehen um, und unten an der Hauptstraße beschließt man spontan, doch direkt nach Avignon zu fahren. Christine und Thomas fahren auf direktem Weg zum Ventoux, während ich mich in Richtung Sault aufmache.
Ulrichs Route will mich noch mehrmals auf zweifelhafte Pisten lenken, die ich verweigere. In Villes-sur-Auzon entferne ich die ganzen Wegpunkte in Komoot und lade die Route neu auf den Coros: Jetzt wird ein Schuh draus!
Ich beginne, die Route wiederzuerkennen: Hier bin ich mit Olli 2023 den denkwürdigen 200er von Nyons, den "[Pitchoun]", gefahren. Natürlich, die Gorges hatten uns damals schon begeistert. Bei 3 % Steigung kann man hier mit über 20er Schnitt bergauf fahren, in grandioser Landschaft und mit wenig Verkehr. Hinter mir holt eine Gruppe Rennradler auf, irgendwann höre ich: "Das ist ein Franzose!" -- "Ich geh in seinen Windschatten!" und muss lachen: Drei deutsche Bengel sind ihren Eltern entfleucht und schrauben sich mühelos nach oben.
Irgendwann kommt auch der keuchende, nicht ganz leichte Vater mit einem weiteren Kind angefahren und überholt mich. Am höchsten Punkt sehe ich alle an einem Rastplatz stehen, und im Vorbeifahren meine ich Geplärre zu vernehmen, verstehe aber nichts, da ich recht laut Musik auf den Ohren habe: Ich muss mich antreiben, da ich spät dran bin und einen leeren Magen habe...
Nach wenigen Minuten kommt eine Nachricht von Gabi: Das Plärren kam von ihr, Ulrich und Daniel, die in der Gegenrichtung unterwegs sind und dort Rast machten. Zu spät, und ich habe wirklich keine Zeit mehr zu verlieren.
Es ist jetzt schon verdammt spät, und das brilliante Wetter verflüchtigt sich langsam. Zudem habe ich einen der zwei Hausschlüssel, den ich wenigstens Christine und Thomas am Chateau Reynard übergeben will.
Das wird dann eine rechte Hängepartie, die Temperaturen fallen, und die Sonne verliert an Kraft. Außerdem nimmt der Wind zu.
Ich leere meinen Beutel mit Riegeln und schaffe es halbwegs rechtzeitig zum Reynard. Nach der Übergabe des Schlüssels ziehe ich mich wärmer an (bisher war ich unten kurz und in kurzen Handschuhen) und wage den Aufstieg. Christine und Thomas sind vor dem Gipfel umgedreht, es liege Schnee auf der Straße und der Wind sei zu stark.
Na, mal sehen! Drei Kilometer nach dem Chalet bedecken allmählich Schnee und Eis die Straße. Immer wieder packt mich der Sturm und will mich vom Rad werfen. Ich steige vorsichtshalber ab und schiebe, jetzt liegt auch richtig viel rutschiger, fester Schnee. Mir begegnen zwei Trail Runner IN SHORTS mit krebsroten Beinen. Sie machen eine erschöpfte, warnende Geste und stolpern weiter bergab.
Kurz danach begegne ich einem jungen Randonneurspärchen, die es ebenfalls versucht haben. Sie warnen, dass der Wind einfach unglaublich sei. Aber noch kann ich mich auf den Beinen halten und gehe weiter, mit dem Versprechen, nichts zu riskieren. Kurz danach schon bläst mich der Wind einfach um, und mein Rad droht, davonzufliegen. Noch gebe ich nicht auf, aber es hat inzwischen -2 Grad, und unter meinen Übergangshandschuhe beginnen die Finger, unangenehm zu beißen. Ein bisschen versuche ich es noch, doch dann siegt die Vernunft. Der Abstieg zu Fuß wird schwierig genug, einmal falle ich, vom Wind geblasen, auf mein Rad und habe Angst, es beschädigt zu haben (zum Glück nicht). Auf dem eisigen Weg geht es sich sehr schlecht, als das Eis endlich weg ist, stelle ich mich mit einem Fuß aufs Pedal und rolle; bremse aber sofort, wenn ich eine Bö bemerke. Das geht eine Zeit lang gut, und ich kann irgendwann "richtig" weiterfahren. Die Abfahrt geht rasant wie immer, irgendwann hole ich das Pärchen ein, und dann kommen und zwei Rettungswagen mit Blaulichtern entgegen. Später erfahre ich, dass [5 Trailrunner gerettet] werden mussten... Die spärliche Bekleidung und die laxen Warnungen des Veranstalters wurden auch kritisiert. Erinnerungen an [Garmisch 2008] werden wach.
Als ich leicht bibbernd in der Ferienwohnung ankomme, sind Christine und Gabi schon dabei, das Abendessen zuzubereiten. Hurra!
Waypoints
Route Details
Elevation
Highest point (1,750 m)
Lowest point (260 m)
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